• Altes und Neues Rathaus in Görlitz (Abb. Ausschnitte Ansichtskarten Künstlerpostkartenverlag Salzuflen, 1902 sowie Dr. Trenkler Co., Leipzig, 1904; Bestand: Historisches Archiv des OSV) : © Historisches Archiv des OSV

Die Anfänge der Stadtsparkasse in Görlitz

Im vergangenen Jahr feierte die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien mit unserer Unterstützung ihren 200. Geburtstag. Nicht nur im Rahmen einer Ausstellung in Zittau wurde dabei auch die Sparkassengeschichte in Görlitz thematisiert. Hier befand sich bereits 1830 der Sitz einer großen Flächensparkasse. Vor genau 175 Jahren kam eine Stadtsparkasse dazu. Sie war zunächst bei der kommunalen Pfandleihe im Haus Untermarkt 8 untergebracht. Das war ein Gebäudeteil des Alten Rathauses. Der Eingang erfolgte über die Langenstraße.

Die Sparkasse bestand laut Satzung als ein „zum Vortheil der ärmeren Klassen der Einwohnerschaft errichtetes, auf Belebung der Sparksamkeit abzweckendes Kommunal-Institut“. Kleinsparerfreundliche Einlagen ab fünf Silbergroschen wurden angenommen. Am 6. Februar 1851 stammte der erste Kunde allerdings nicht aus der Unterschicht. Der Sparkassendirektor, Stadtrat Gustav Adolf Köhler, zahlte selbst zwölf Taler ein. Ende 1851 bestanden bereits 517 Sparbücher mit Einlagen von rund 22.271 Talern.

Das Geschäftsjahr 1853 brachte erstmals Überschüsse, die in den Reservefonds flossen. Es dauerte noch eine Weile, bis Gelder für öffentliche gemeinnützige Zwecke bereitgestellt werden konnten. So gab es dann 1872 stattliche 20.000 Taler für die Errichtung einer neuen Gewerbeschule. Anlässlich des 50. Geburtstages konnte man rückblickend insgesamt fast 1,3 Millionen Mark vorweisen. Wie die Sparkasse sich auch durch Kommunalkredite für die wachsende Industriestadt Görlitz engagierte, können Sie hier nachlesen.

Erste Nebenstellen bekam das Institut 1885. Wie bei anderen preußischen Sparkassen waren das Agenturen bei Geschäftsleuten, die Geld annahmen beziehungsweise auszahlten. So hatten die Kunden kürzere Wege. Innerhalb des Alten Rathauses zog das kommunale Geldinstitut mehrfach um. 1903 wurde dann das Neue Rathaus der Sitz. Zu dieser Zeit war die Görlitzer Stadtsparkasse mit mehr als 22 Millionen Mark Spareinlagen auf über 50.000 Sparbüchern nach Breslau die zweitgrößte in der Provinz Schlesien im Königreich Preußen.

  • Wer kann das Rästel lösen? : © Historisches Archiv des OSV

Werbung vor 100 Jahren

Nach der verheerenden Inflation in der Weimarer Republik engagierten sich die Sparkassen vielfältig, um das Einlagengeschäft wieder aufzubauen. Vertrauensbildende Maßnahmen waren angesagt. Die Menschen sollten zum Sparen mit der neuen und stabilen Währung Reichsmark bewegt werden. Es fanden unterschiedliche Aktionen statt. So wurden etwa verstärkt Heimspardosen ausgeliehen. Auch Druckschriften wurden herausgegeben. Der Deutsche Haus- und Sparkalender ist eine davon. Dieses volkstümliche Heftchen vereint Wissenswertes, Unterhaltendes und natürlich Sparerziehung beziehungsweise Reklame. In unserem Archivbestand befinden sich Exemplare ab 1925. Einige zieren die Namen von historischen Sparkassen aus unserem Verbandsgebiet. Diese zentral produzierten Werbemittel konnten nämlich individualisiert werden.

  • Harz, Erzgebirge oder wo sonst sind diese beiden Sparer unterwegs? DEWAG-Plakat, 1966 : © Historisches Archiv des OSV

Winterfreuden

Nun hat uns ins Ostdeutschland in letzter Zeit auch einmal ein richtiger Winter besucht. Und „Elli“ zeigt immer noch seine Wirkung. Bekanntlich ist Witterung immer des einen Freud und des anderen Leid. Oder beides zugleich. So freut sich zum Beispiel der Verfasser dieses Beitrags über die endlich wieder richtig winterliche Natur in Berlin und ärgert sich über die Verspätungen der Bahn.

Anders als heute war Schnee vor 60 Jahren wohl eher der Regelfall. Damals entstand dieses Werbeplakat der Sparkassen der DDR. Es regte die Menschen an, für ihren Winterurlaub zu sparen. Der Urlaub war und ist ein klassisches Sparziel. Aber nicht etwa mit dem guten alten Sparbuch, sondern auf dem modernen Spargirokonto sollten Gelder gesammelt werden. Dieses gab es zuerst 1964 in Ostberlin und in den Folgejahren auch bei anderen Sparkassen der Republik.

Bargeldlos konnten zum Beispiel Gehälter durch Zahlung über das Spargirokonto automatisch bei den Sparkassen landen. Es bot dieselben Zinsen wie das Sparbuch, so dass Umbuchungen unnötig schienen. Unter anderem per Scheck oder Überweisung war das Guthaben verfügbar. Auch Daueraufträge zur Abbuchung gab es. Für die Auszüge hatte man ein Heftchen. Es handelte sich also um ein fortschrittliches Konto mit Vorzügen, das den Sparverkehr rationalisieren half.

  • © Historisches Archiv des OSV

Neues Jahr, neues Statut

Zum neuen Jahr bekamen die DDR-Sparkassen vor einem halben Jahrhundert ein neues Statut. Das im Herbst von der Regierung beschlossene Werk trat am 1. Januar 1976 in Kraft. Das Geschäft der „volkseigenen Kreditinstitute“ war weiterhin stark reglementiert. Darlehen an die örtliche Wirtschaft tauchten in der Satzung gar nicht auf. Bürger bekamen etwa Geld zur Finanzierung von Konsumgütern, wenn sie denn gerade verfügbar waren. Sparkassen ermöglichten den privaten Eigenheimbau und auch Modernisierungen im Wohnungsbestand, sofern es nicht an Baumaterialien mangelte. Mit dem Kredit für junge Eheleute unterstützten sie die staatliche Sozialpolitik.

Enorme Darlehen gewährten die Geldinstitute dem SED-Staat. Das neue Statut verpflichtete die Sparkassen nämlich, ihre zeitweilig freien Mittel bei der Staatsbank der DDR anzulegen. Allein die größte Sparkasse im Lande, die in Ostberlin, hatte damals ein Guthaben von über 2,3 Milliarden Mark. Durch ihre Einlagen finanzierten die Sparkassen den volkseigenen Wohnungsbau mit. Bis 1970 war das übrigens eine ihnen direkt zugewiesene Aufgabe im sozialistischen Bankensystem gewesen. Sie wurde dann der Investitions- und Handelsbank übertragen, die jedoch bereits 1974 in der Staatsbank aufging.

  • Plakat der Sparkassen der DDR, 1953 : © Historisches Archiv des OSV

Lang lebe der Gutschein!

Wie halten Sie es in diesem Jahr, so kurz vor dem Fest? Darf es da auch ein Gutschein sein mit dem Sie Ihre Liebsten beglücken?

Laut einer aktuellen Statista-Umfrage sind Gutscheine oder Geldgeschenke die beliebteste Gabe unter dem diesjährigen Weihnachtsbaum. Fast jede oder jeder Zweite wählt diese Geschenk-Option. Das ist auch nicht verwunderlich, denn sie sind praktisch, handlich und die Gefahr in ein Fettnäpfchen zu treten, ist sehr gering.

Wohl auch deshalb gibt es Geschenk-Gutscheine seit mehr als 100 Jahren. Selbst die Sparkassen bedienten sich ihrer und boten zu zahlreichen Anlässen, wie Geburt, Schulanfang oder eben auch Weihnachten, die Gutscheine ihrer Kundschaft an. In der DDR-Zeit konnten die Beschenkten sich das Geld auch bar auszahlen lassen. Die favorisierte Variante war jedoch die Gutschrift auf ein neues oder bestehendes Sparbuch.

PS: Heute ist der Sparkassen-Geschenkgutschein nur zwei, drei Klicks entfernt. Online kaufen, online einlösen. Unser Tipp zur letzten Minute.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern ein wunderbares Fest & und uns allen ein friedlicheres neues Jahr!

Britta Weschke, Thomas Einert und Claudia Wöhnl

  • Kundenguthaben Ende 1845 in Talern (* Gründungsjahr) : © Historisches Archiv des OSV

Top Five vor 180 Jahren in Sachsen

Für das Jahr 1845 liegen uns erste Geschäftsdaten aller staatlich kontrollierten Sparkassen im Königreich Sachsen vor. Diese veröffentlichte das Statistische Bureau beim Innenministerium, Vorläufer des Statistischen Landesamtes. Interessanterweise existierten zu dieser Zeit nicht nur kommunale Institute. So waren etwa in Grimma und Leisnig Vereine aktiv. In diesen Kleinstädten gab es einlagenstarke Sparkassen. Bemerkenswert ist auch, dass Leipzig vor der Landeshauptstadt stand, obwohl dort viel mehr Sparbücher gezählt wurden.

Dies lag daran, dass Sparkassen unterschiedliche beziehungsweise gar keine Obergrenzen für Guthaben ansetzten. Beispielsweise bestanden in Dresden nur 9, in Leipzig hingegen 802 Konten über 200 Taler. In Leisnig waren es immerhin 312. Eine weitere Ursache ist bei der Kundschaft zu suchen. Nicht ausschließlich für sogenannte minder Bemittelte, also nicht vermögende Menschen, wurden Sparkassen gegründet. Sie machten nur einen Teil des Kundenstamms aus, der eher in Industriegegenden zu finden war. Natürlich spielte auch das Alter eine Rolle. So stand die junge Chemnitzer Stadtsparkasse vor 180 Jahren erst auf Platz 5.